Umbau Wasserkraftwerk Gurtnellen: Präzisionsarbeit unter erschwerten Umständen

Klaus Hertling, Chefmonteur & Peter Franek, Projektleiter

In Gurtnellen ist ein Team der Josef Muff AG (JMAG) an der Erneuerung und am Ausbau des beinahe 120-jährigen Wasserkraftwerks beteiligt. Chefmonteur Klaus Hertling gibt im Gespräch einen Einblick in die spannenden, aber auch herausfordernden Arbeiten an diesem Projekt.

Marketing: Herr Hertling, wie sieht ein typischer Arbeitstag auf der Gurtnellen-Baustelle aus?

K. Hertling: Arbeitsbeginn ist bereits um 5.30 Uhr. Unser Team bereitet zunächst noch im Tal unten eines der zwölf Meter langen Rohre vor, die wir für den Ausbau des Kraftwerks benötigen. Das Rohr wird anschliessend mit der extra für dieses Projekt eingerichteten Montageseilbahn zur Baustelle hochtransportiert. Das Team selbst fährt mit der «offiziellen» Standseilbahn hoch und legt die restlichen 1,1 Kilometer bis zur Baustelle zu Fuss zurück.

Auf der Baustelle wird das Rohr in den bereits vom Tiefbau vorbereiteten Graben hinuntergelassen, wo es von unseren Leuten gerichtet und angebaut wird. Zudem muss es vorgewärmt werden, damit der Schweisser es schweissen kann. Nach dem Schweissen von aussen steigt ein Arbeiter in das Rohr, um es von innen plan zu schleifen. Der Prüfer kontrolliert anschliessend die Schweissnaht mit einer Magnetpulver-, Ultraschall- und Durchstrahlungsprüfung. Wenn alles in Ordnung ist, wird das Rohr isoliert.

Was ist neben der speziellen Lage aus technischer Sicht das Besondere an diesem Projekt?


Eine Besonderheit von Druckleitungen, wie sie beim Wasserkraftwerk Gurtnellen eingesetzt werden, ist, dass die Rohre auf dem Weg ins Tal immer kleiner im Durchmesser werden. Es gilt: Je tiefer die Lage, desto kleiner die Rohre, damit der Wasserdruck konstant hoch bleibt. Die von uns verlegten 12-Meter-Rohre haben oben am Berg einen Durchmesser von 900 Millimetern, in der Mitte einen von 800 Millimetern und weiter unten im Tal einen von 700 bzw. 600 Millimetern. Ein 900er Rohr hat ein Gewicht von etwa 3,2 Tonnen, ist also nicht ganz leicht. Damit es verlegt werden kann, sind wie bereits erwähnt gewisse Vorarbeiten nötig.

Dies gilt auch für andere Leitungselemente. So werden beispielsweise Formteile, die viel Schweissarbeit erfordern – wie Ansaugtrichter, Übergangsstück, Hosenrohr und die aus Segmenten bestehende Verteil-Leitung – in unserer Werkstatt in Sarmenstorf vorgefertigt.

Mit was für einem Team ist die JMAG auf der Baustelle im Einsatz?


Unser Team vor Ort besteht aus vier Personen: dem Chefmonteur, einem Monteur, einem Schweisser sowie einem Prüfer. Alle Teammitglieder sind an der täglichen Arbeit beteiligt und haben jeweils ihren eigenen Aufgabenbereich. Ich selbst bin auf der Baustelle nebst meiner Koordinationsfunktion zuständig für die Vermessung der Schrägschnitte und bereite damit die Arbeiten für den folgenden Tag vor. Die Messresultate übermittle ich jeweils ins Tal, wo direkt auf dem Platz das nächste Rohr geschnitten und zusammengeschweisst wird. Auf diese Weise stehen am folgenden Morgen wieder zwölf Meter Rohr bereit, die wir verarbeiten können.

Ihre Beschreibung klingt nach ziemlich eingespielten, reibungslosen Abläufen. Was sind denn die Herausforderungen bei diesem Projekt?


Die grösste Herausforderung war es bisher, den Fixpunkt 4 zu setzen. Auch der Rohrzusammenschluss zum Mannloch hat uns einiges Kopfzerbrechen beschert. Beim Fixpunkt 4 beginnt der steile Teil unserer Rohrleitung mit einem Raumsprung der genau ausgerichtet sein muss. Der Vermesser musste die Koordinaten für den Schnittpunkt auf dem Fundament genau aufzeichnen. Der Platz für die Verbindung vom Fixpunkt zum Mannloch ist ziemlich eng, ein Teil führt unter dem Wanderweg hindurch und später wieder ins Gelände neben die ursprüngliche Leitung. Das ganze wurde durch die engen Platzverhältnisse erschwert.

Doch gerade diese Herausforderungen machen die Sache auch spannend. Eigentlich ist das gesamte Projekt eine äusserst spannende Sache, langweilig wird es uns hier sicher nicht. Man muss den Kopf bei der Sache haben – auch weil man ja nicht einfach schnell mal etwas holen kann, das man vergessen hat. Ich schreibe deshalb immer alles auf. 

Ich kann hier in Gurtnellen meine frühere Berufserfahrung sehr gut einbringen, schliesslich war ich 16 Jahre lang im Pipeline-Bau im Ausland tätig, bevor ich bei der JMAG begonnen habe. Die Druckleitung, die wir hier in Gurtnellen verlegen, ist jetzt bereits meine sechste in den elf Jahren, in denen ich für die JMAG arbeite. Grundsätzlich liegt mir diese Art zu arbeiten einfach.

Zum Schluss: Rechnen Sie damit, dass Sie den Zeitplan für den Gurtnellen-Umbau einhalten können?


Der Zeitplan sieht vor, dass pro Tag zwei Nähte geschweisst, d. h. 24 Meter Rohr verlegt werden, was uns in der Regel auch gelingt. Der ursprüngliche Plan sah 1 bis 1,5 Nähte pro Tag vor, das heisst, aus der Sicht von JMAG haben wir alles im Griff. Probleme gab es davor eher beim Tiefbau, weil das Gestein, in das der Graben für die Rohre gelegt wurde, viel härter war als erwartet. Es liess sich nicht wie vorgesehen wegspitzen, sondern musste über weite Strecken Meter für Meter weggesprengt werden.

Der Abschluss des obersten Abschnitts ist für Ende September/Oktober 2016 geplant. Momentan ist ein grosser Teil der Leitung noch nicht zugeschüttet, was die Folgearbeiten ein bisschen verzögert. Unser Ziel ist, dass der obere Teil von der Fassung bis zur Bergstation Standseilbahn vor dem Winter erledigt werden kann.

Zudem muss die ganze Technik vor dem Winter «ins Warme» gebracht werden. Als Winterarbeit ist der Anschluss zentrale Stollenleitung mit Fixpunkt 9 und Verteil-Leitung mit Hosenrohr vorgesehen. Bis dahin muss der Tiefbauer das Mauerwerk der Zentrale saniert haben.Interview: Daniela Peter, Marketing 

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