Wahrzeichen der Stadt Biel

Oliver Fleury, Bauführer

Abreissen oder sanieren? Diese Frage stellte sich die Stadt Biel Ende 2017. Die Rede ist vom Bieler Kongresshaus, welches von 1961 – 1966 erbaut worden war.

Der vom Bieler Architekten Max Schlup entworfene Gebäudekomplex mit Hochhaus, Hallenbad, Konzertsaal und Foyer wurde 1966 fertiggestellt. Die Zu- und Abneigung der Bieler zu ihrem Kongresshaus ist durchaus spürbar. Auf der einen Seite steht das Gebäude als Wahrzeichen für die damals moderne und weltoffene Zukunftsstadt, und auf der anderen Seite muss das Gebäude jetzt dringend saniert werden, was mit hohen Kosten verbunden ist. Die Meinungen teilen sich auch stark über das Erscheinungsbild, was jedoch bei Gebäuden mit Charakter oft der Fall ist. Das Kongresshaus ist im Kulturgüterschutzinventar als Denkmalobjekt von nationaler Bedeutung eingetragen. Auf kantonaler Stufe ist das Kongresshaus als  «schützenswert» eingestuft. Um bauliche Schäden zu verhindern, hat die Stadt Biel Ende 2017 einen Kredit für Sofortmassnahmen gesprochen. Diese umfassen eine Sanierung der Sichtbetonfassadenfläche des Hochhauses sowie die Überprüfung des Zustands der Spannkabel des Hängedachs im Schwimmbadteil. Es gilt, das Gebäude vor einem «Zerfall» zu schützen und für die nächsten 20 Jahre adäquat zu sanieren. Die intakten charakteristischen Betonflächen sollen weitgehend erhalten bleiben. Diverse Messungen haben Aufschluss über die Substanz und Belastbarkeit gegeben, somit konnte gezielt saniert und restauriert werden. Die Betonstruktur wurde damals mit einer Schalung aus Sägerohren Schalbrettern erzielt, sodass die Brettstruktur der Betonoberfläche ihr charakteristisches Aussehen verleiht. Durch die Instandsetzungsarbeiten wird die ursprüngliche Betonstruktur zerstört, weil die Bewehrung für die Sanierung freigelegt wird. Die grosse Herausforderung hierbei ist es, die Brettstruktur wieder herzustellen, sodass trotz der Sanierung keine ästhetische Beeinträchtigung des Gesamtbildes entsteht. Dafür muss der Instandsetzungsmörtel farblich dem Untergrund angepasst werden. Die Ausbildung der Brettstruktur im Instandsetzungsmörtel braucht grosses handwerkliches Geschick und viel Erfahrung in der Instandsetzung von Betonbauten. Aufgrund des schönen Wetters kamen wir schnell und effi zient vorwärts. Dennoch war die Arbeit an der sanierungsbedürftigen Westfassade in so luftiger Höhe mit zweitweise starkem Wind oder heissen Temperaturen sehr anspruchsvoll. Nach rund 3600 Arbeitsstunden von Mai bis November waren die Sanierungen von unserer Seite her abgeschlossen. Zum Schutz vor weiteren Abplatzungen wurde die gesamte Oberfläche hydrophobiert und farblos matt lasiert. Ein Restaurationsteam sorgte mit ihren malerischen Fertigkeiten für eine optische Angleichung an die unbehandelte Fläche. 

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