Wasserkraft ist unverzichtbar für die Erzeugung «sauberer» Energie

Peter Franek, Rohrleitungsbau

In Gurtnellen wird ein weiteres Kapitel Kraftwerksgeschichte geschrieben. Dort wo im Jahr 1900 in eindrücklicher Pionierarbeit das Wasserkraftwerk Gurtnellen gebaut wurde, entsteht jetzt ein Ausbau- und Erneuerungsprojekt.

Optimal und effizient werden diese Urkräfte noch besser genutzt und gleichzeitig wird der Natur Sorge getragen. Ab 2016 wird das Kraftwerk auf den neuesten Stand der Technik gebracht und wird dann 23% mehr Strom produzieren. Die Umgebungsarbeiten haben im letzten Herbst begonnen. Vorangegangen ist dem Bauentscheid eine rund achtjährige Planungs-, Konzessionierungs- und Bewilligungsphase, während der sich die Verantwortlichen mit administrativen und technischen Hürden haben auseinandersetzen müssen.

Win-win Situation entsteht

Über die Jahrzehnte hinweg wurden die Anlagen immer wieder saniert, modernisiert und an den letzten Stand der Technik angepasst. Doch gerade im Fall des Kraftwerks Gurtnellen blieb stets ein kleiner Wermutstropfen: Die Anlage war im Hinblick auf die Wasserführung im Gornerbach nicht optimal ausgebaut. Derzeit gibt es an über 100  Tagen im Jahr Überwasser, das ungenutzt über die Wehranlage fliesst. Diesem Umstand wird nun Rechnung getragen und die bisherige Ausbauwassermenge von 1,4 m3/s auf 2 m3/s sowie die installierte Maschinenleistung von bislang 6 MW auf 10 MW erhöht. 

Rohr um Rohr zur sauberen Energie

Eine grössere Herausforderung in bautechnischer und vor allem logistischer Hinsicht erwartet die Josef Muff AG beim Tausch der bestehenden Druckrohrleitung. Die alte Druckrohrleitung aus dem Jahr 1900 besteht noch im Original. Es handelt sich um eine genietete Stahlrohrleitung mit Durchmesser 600 mm. Alleine aufgrund des erhöhten Kapazitätsbedarfs muss sie ersetzt werden. Die alte Stahldruckrohrleitung wird rückgebaut, die neue Leitung wird teilweise unterirdisch verlegt. Die Schienen stammen von der alten Materialseilbahn, die nur bedingt genutzt werden kann. Die neue Stahldruckrohrleitung wird denselben Trassenverlauf wie die alte nutzen. Was sowohl den Rückbau der alten als auch die Verlegung der neuen Leitung anspruchsvoll macht, ist das zum Teil sehr steile und unzugängliche Terrain. Die alte Stahldruckrohrleitung wird rückgebaut, die neue Leitung soll teilweise unterirdisch verlegt werden. Die Schienen dienen der alten Materialseilbahn, die nur bedingt genutzt werden kann. Der Einsatz einer Materialseilbahn sowie Helikoptertransporte werden dabei unverzichtbar sein.

Know-how spielt eine grosse Rolle

Die Druckleitung Gurtnellen ist 1‘740 m lang, beginnt bei der Wasserfassung in der Gorneren mit dem Sicherheitsorgan und endet in der Zentrale in Gurtnellen vor den Kugelschiebern der beiden Maschinengruppen. Der statische und dynamische maximale Innenwasserdruck in der Verteilleitung vor der Zentrale beträgt 676 m Wassersäule. 

Plan des neuen Trassenverlaufs der Druckleitung.

Die Druckleitung beginnt bei der Wasserfassung mit einem Durchmesser von DN 900. Der mittlere Teil wird DN 800 und der untere Teil DN 700/600 ausgeführt. Der obere Abschnitt A ist auf der gesamten Länge erdverlegt. In diesem Bereich werden Rohre mit einer Polyethylen und Faserzementumhüllung eingesetzt. Der untere Abschnitt B ist mehrheitlich offen auf Auflagersättel aufgelegt und teilweise auch erdverlegt. Den Leitungsbau technisch und qualitativ einwandfrei auszuführen und planmässig fertigzustellen ist für die Josef Muff AG trotz viel Erfahrung unserer Teams eine Herausforderung. Die Bauzeit dauert bis 2017, dann soll das Kraftwerk in Betrieb genommen werden. Für die bautechnische Umsetzung spielen da auch zielgerichtete Vorbereitung, tatkräftiger Einsatz, effizientes Teamwork, viel Know-how und vor allem auch Freude an der Herausforderung eine wichtige Rolle. Über den aktuellen Projektstand und weitere Infos des Kraftwerks Gurtnellen wird in der nächsten Ausgabe des Splitters berichtet. Das Projekt Gurtnellen ist ein idealer Baustein auf dem Weg der sogenannten Energiewende. Ein bestehendes Kraftwerk wird durch einen Ausbau optimiert und dient der Herstellung von Strom. Die erneuerbare Energie besteht hauptsächlich aus Wasserkraft. Das sind Ressourcen aus der Schweiz  mit einem grossen Nutzen für die Zukunft. Die Druckleitung über eine Länge von 1.74 km darf die Josef Muff AG für den Bauherrn Kraftwerk Gurtnellen AG verlegen. Die Installationen im schwierigen Gelände erfordern viel Können seitens des Rohrleitungsbauers. Eine Arbeit, die man nur Spezialisten und besten Rohrleitungsbauern anvertraut. Für dieses Vertrauen bedanken wir uns bei der Kraftwerk Gurtnellen AG.

Kraftwerk Gurtnellen: www.kw-gurtnellen.ch

Wasserfassung: Grueben (1'336 m.ü.M)

Zentrale: Gurtnellen Wiler (750 m.ü.M)

Bruttogefälle: 586 m

Leistung: 10 MW

Jahresproduktion: 31.5 GWh (Jahresverbrauch von ca. 7'100 Haushalten)

Projektleiter: Peter Franek

Kunde: Kraftwerk Gurtnellen AG (EWA Elektrizitätswerke Altdorf AG)

Montagedauer: Juni 2016 bis September 2017

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