Die Sonne als Energie- lieferanten nutzen

Martin Ellwanger, Projektleiter

Nicht nur in Neubauten wollen wir in Zukunft einen Teil des Energiebedarfes selber erzeugen. Dies ist auch bei bestehenden Gebäuden sinnvoll. Neben der Optimierung der Gebäudehüllendämmung und der Erneuerung der Heiztechnik wollen wir der Sonnenenergienutzung grössere Aufmerksamkeit schenken.

Die Sonne liefert uns täglich ein unerschöpfliches Potential an Gratisenergie. Dieses Megakraftwerk gilt es vermehrt zu nutzen und in die Überlegungen von künftigen Gebäudesanierungen einzubeziehen.

Grundsätzlich stehen zwei Techniken zur aktiven Sonnenenergienutzung zur Verfügung: Solarthermische Anlagen, welche über Kollektoren das Brauchwarmwasser erwärmen und das Heizsystem bei der Heizwassererwärmung unterstützen. Photovoltaikanlagen, welche über Solarzellen Sonnenenergie direkt in elektrischen Strom umwandeln. Beide Technologien galten lange Zeit als „teure Spielereien“ und wurden nur in Spezialanwendungen oder von Enthusiasten eingesetzt. Diese Aussagen treffen heute nicht mehr zu. Die Herstellungs- und Montagekosten konnten in den letzten Jahren enorm reduziert werden. 

Thermische Solaranlagen verlieren gegenüber den immer günstiger werdenden Photovoltaikanlagen an Terrain. Auf grösseren, zusammenhängenden Flächen ist die Produktion von elektrischer Energie oft vorteilhafter. Bei kleinen Nutzflächen hingegen kann die Warmwasseraufbereitung sinnvoll sein. Im Durchschnitt können mit der Sonnenkraft gut 70% vom jährlichen Warmwasserbedarf gedeckt werden. Bei Systemen zur Heizungsunterstützung liegt der solare Deckungsgrad bei 25%. Solarthermische Anlagen kann der Haustechnikfachmann auch gut in vorhandene Heizsysteme einbinden. Im Kanton Bern wird der Einbau solarthermischer Anlagen über die Effizienzklassenverbesserung beim GEAK® (Gebäudeenergieausweis der Kantone) unterstützt.

Solarstromanlagen sollte man heute auf einen hohen Eigenverbrauch auslegen. Den Strom am Standort nutzen wo er produziert wird. Dies funktioniert am besten, wenn der Solarstrom nicht nur für den Haushalt, sondern auch für die Heizung, die Wassererwärmung und die Mobilität genutzt wird. Damit der Mieter im Mehrfamilienhaus für seinen individuellen Strombedarf ebenfalls den vor Ort produzierten Strom nutzen kann, wird eine Eigenverbrauchsgemeinschaft gebildet. Der Energieversorger stellt dem Anlagebetreiber Rechnung für die bezogene Energie. Die überschüssige Energie, welche ins Netz eingespeist wurde, wird ausgewiesen. Der interne Abrechnungsmodus ist Sache der Eigenverbrauchsgemeinschaft und wird durch den Anlagebesitzer mit den Teilnehmern ausgehandelt.

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