Die zweite Röhre des Gotthard-Strassentunnels wird im Auftrag des Bundesamts für Strassen ASTRA von beiden Seiten aus vorangetrieben. Während sich die Tunnelbohrmaschine «Paulina» von Airolo aus durch den Berg arbeitet, hinterlässt das Gestein deutliche Spuren am Schneidrad. Auch die Verschleissschutzplatten neben den Schneidrollen werden dabei stark beansprucht. Für deren Erneuerung stand ein dreiköpfiges Team der Josef Muff AG während fünf Wochen im Einsatz. Insgesamt wurden 120 abgeschliffene oder ausgebrochene Schutzplatten herausgetrennt und durch neue ersetzt. Die Arbeiten fanden jeweils zwischen 03.00 Uhr morgens und 12.00 Uhr mittags statt. Danach musste die Maschine wieder betriebsfähig sein, um den Vortrieb fortzusetzen.
Eine Tunnelbohrmaschine mit 12,31 Metern Durchmesser
Die zweite Röhre des Gotthard-Strassentunnels wird von beiden Seiten aus vorangetrieben. Im Süden kommt dafür die Tunnelbohrmaschine «Paulina» des deutschen Herstellers Herrenknecht zum Einsatz. Die Einfachschild-TBM ist rund 110 Meter lang, wiegt 2’118 Tonnen und verfügt über eine Antriebsleistung von 5’600 kW. Ihr Frontschild misst 12,31 Meter im Durchmesser.
Für den südlichen Tunnelabschnitt ist eine maschinelle Vortriebsstrecke von rund 7’750 Metern vorgesehen.
An der Vorderseite der Maschine befindet sich das Schneidrad mit den darin angeordneten Schneidrollen. Während sich das Rad dreht, werden diese mit hoher Kraft gegen den Felsen gedrückt und brechen das Gestein heraus. Die umliegenden Stahlbauteile sind dabei ebenfalls erheblichen Belastungen ausgesetzt.
Um das Schneidrad vor dem Abrieb durch das Gestein zu schützen, sind zwischen den Schneidrollen Verschleissschutzplatten angebracht. Bei der «Paulina» waren zahlreiche dieser Platten bereits stark abgeschliffen oder stellenweise ausgebrochen. Insgesamt mussten 120 Stück ersetzt werden.
120 Verschleissschutzplatten am Schneidrad erneuern
Der Austausch erfolgte direkt an der Vorderseite des Schneidrads. Welche Platten ersetzt werden sollten und an welchen Positionen die neuen Bauteile anzubringen waren, bestimmten die Supervisoren von Herrenknecht vor Ort. Auch der Arbeitsablauf wurde mit ihnen abgestimmt.
Das dreiköpfige Team der Josef Muff AG bestand aus zwei Schweissern und einem weiteren Mitarbeiter, der die Vorbereitungsarbeiten übernahm.
Zuerst mussten die bestehenden Schutzplatten entfernt werden. Dafür kam das Arc-Air-Verfahren zum Einsatz, bei dem das Material mithilfe eines Lichtbogens und Druckluft herausgetrennt wird. Anschliessend wurden die freigelegten Stellen gesäubert und für den Einbau der Ersatzplatten vorbereitet.
Die neuen Verschleissschutzplatten waren 25 Millimeter dick und bestanden aus zwei Schichten. Als Grundmaterial diente Stahl der Güte S355, darüber befand sich eine harte Verschleissschutzschicht. Der Grundkörper des Schneidrads selbst besteht im bearbeiteten Bereich aus 90 Millimeter dickem S355-Stahl.
Nach der Vorbereitung wurden die neuen Platten entsprechend den Positionsvorgaben von Herrenknecht ausgerichtet und zunächst angeheftet. Erst danach erfolgte das vollständige Einschweissen.
Schweissarbeiten unter aussergewöhnlichen Verhältnissen
Für das Einschweissen verwendeten die beiden Schweisser das MAG-Schweissverfahren 136 mit Fülldraht. Dieses Verfahren eignete sich besonders für die erforderlichen Positionsschweissungen. Da ein Teil der Schweissnähte steigend oder über Kopf ausgeführt werden musste, war die stützende Wirkung des Fülldrahts auf das Schweissbad von Vorteil.
Die Arbeitsbedingungen am Schneidrad verlangten dem Team einiges ab. Obwohl das Schneidrad über zwölf Meter Durchmesser aufweist, war der Platz zwischen den einzelnen Bauteilen stark eingeschränkt. Die beiden Schweisser mussten teilweise kniend oder liegend arbeiten, um die vorgesehenen Stellen zu erreichen.
Hinzu kamen Schlamm am Boden, fehlendes Tageslicht und die Rauchentwicklung durch die Schweissarbeiten. Deshalb musste die Belüftung am Arbeitsplatz verstärkt werden.
Auch der Transport zur Arbeitsstelle gehörte zum täglichen Ablauf. Die Tunnelbohrmaschine «Paulina» befand sich zum Zeitpunkt der Revision bereits rund 300 Meter im Berg. Der Weg bis zum Schneidrad dauerte ungefähr 20 Minuten. Werkzeuge und benötigtes Material wurden mithilfe einer Baumaschine transportiert.
Nach der Revision ging der Vortrieb weiter
Neben den technischen Anforderungen bestimmte vor allem der laufende Tunnelvortrieb den Arbeitsrhythmus. Während fünf Wochen begann die Schicht für das Team der Josef Muff AG jeweils um 03.00 Uhr nachts.
Bis 12.00 Uhr mussten die vorgesehenen Tagesarbeiten beendet sein. Danach wurde das Schneidrad wieder für den Bohrbetrieb benötigt.
Damit die nächsten Platten bearbeitet werden konnten, wurde das Schneidrad entsprechend weitergedreht. Die Arbeiten richteten sich somit nach den jeweils zugänglichen Positionen und dem täglichen Zeitfenster.
Pro Schweisser konnten ungefähr sechs Schutzplatten pro Schicht bearbeitet werden. Während die beiden Schweisser mit dem Heraustrennen und Einschweissen beschäftigt waren, kümmerte sich der dritte Mitarbeiter um die Vorbereitung.
Die ungewöhnlichen Arbeitszeiten waren auch körperlich anspruchsvoll. Der frühe Schichtbeginn und die damit verbundene Müdigkeit kamen zu den beengten Arbeitsverhältnissen hinzu. Gleichzeitig musste das Team seine Arbeiten so einteilen, dass der vorgesehene Bohrbetrieb am Mittag wieder aufgenommen werden konnte.
Fünf Wochen direkt am Schneidrad der «Paulina»
Im Zeitraum von August bis September 2026 erneuerte die Josef Muff AG im Auftrag der Marti Tunnelbau AG und dem Bundesamt für Strassen (ASTRA) die 120 Verschleissschutzplatten an der Tunnelbohrmaschine «Paulina» in Airolo.
Die Arbeiten erfolgten in enger Abstimmung mit den Supervisoren des Maschinenherstellers Herrenknecht, welche die Positionierung der Bauteile und den Ablauf vorgaben.
Für das dreiköpfige Team bedeutete dieser Einsatz fünf Wochen mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten, körperlich fordernden Schweisspositionen und einem festen Zeitfenster. Mit den erneuerten Schutzplatten konnte das Schneidrad seinen weiteren Einsatz im Gotthard fortsetzen.
Weitere Informationen zur Tunnelbohrmaschine «Paulina» und zum Bau der zweiten Röhre sind auf der offiziellen Projektwebseite des Bundesamts für Strassen ASTRA zu finden.